Dienstag, 9. Juli 2013

Der Einkauf

Am Samstag habe ich mich erstmal auf den Weg zur lokalen Shoppingmall gemacht. Vor dem Flug hatte ich ja ziemlich viel mitgenommen - undenkbar, in Taiwan nicht mein Lieblingsshampoo haben zu können! Wobei für 5 Monate hätte ich wohl etwas viel mitnehmen müssen.
Naja, auf jeden fall in den Zug, eine Station gefahren, dann 15min durch eine Seitenstraße, die mich irgendwie an eine Straße um Dschungel Brasiliens erinnert hat. Ich war zwar noch nie in Brasilien, und die Chinesen sahen bei weitem nicht brasilianisch aus, aber irgendwie passte das Flair mit dem dem Dschungel, Palmen, Trophenausatmosphäre und Grillen. Ja, Grillen, die sind extrem laut und nervig.

Standrand - nach 5min ist man aber wieder in der Stadt

In der Mall angekommen, war ich erstmal in einer Botique shoppen. Ich dachte mir "man, ist das günstig hier" (waren so H&M oder C&A Preise) - warum gehören bei Kleiderketten eigentlich immer zwei dazu? - und die Klamotten waren echt okay, aber das war wohl noch ein etwas teurerer Laden. Schicke Hosen für 30 bis 50 Euro gabs auch, werde mir bei Gelegenheit nochmal ein paar zulegen.
Auf jeden Fall habe ich mich erstmal mit Tank Tops eingedeckt, da man den Sport hier anders kaum aushält. Kleidungstechnisch lässt sich Taiwan kaum von Europa unterscheiden, ich hätte auch genausogut bei Jack and Jones oder so einkaufen können.

Danach gings dann in den A-Mart, einen ziemlich großen Supermarkt. Und mit ziemlich groß meine ich, dass das Sortiment von z.B. Real alt dagegen aussieht. Die hatten einfach alles. Angefangen bei einer riesen Elektronik- und Kleiderabteilung, so gab es noch Schlafsäcke Motorradhelme, Motoröl, Möbel, Bettdecken und so weiter und sofort, dann noch eine komplette Etage mit Nahrungsmitteln. Und alle fünf Meter eine nette Verkäuferin an so einem Teststand, an dem es irgendwas umsonst zum Porbieren gibt. Von Bier über Süßigkeiten bis hin zu Cremes oder Putzmitteln.

Ich dachte ja erst, Taiwan ist am Ende der Welt (was es geografisch gesehen ja auch ist, zumindest auf 3/4 der Strecke), aber man kann sich über das Sortiment echt nicht beschweren. Neben der kompletten Nivea Produktpalette im Hygienebereich sind auch sonst viele europäische Marken vertreten. Auch viele bekannte Süßigkeiten sind hier zu finden. Snickers, Mars, M&Ms und co. sowie viele Biere wie Heineken oder sogar Pilsener Urquell (das mit umgerechnet 1,80€ pro 0,33 Flasche allerdings verhältnismäßig teuer ist). Wäre nicht alles auf Chinesisch, so ließe sich der Supermarkt bis auf ein paar Feinheiten nicht von einem "westlichen" Supermarkt unterscheiden.
Gut, man müsste vorher noch das Publikum austauschen, aber sonst...

Anders ist es ja zum Beispiel bei Milch und Milchprodukten. Da viele Chinesen das nicht vertragen, gibts auch dementsprechend kaum Produkte. Auch Käse oder Quark sucht man meist vergebens. Wie beim Alkohol fehlt hier bei einem Teil der Bevölkerung das entsprechende Enzym, ist genetisch bedingt. Dasrum ist die Milch auch, hab ich mir sagen lassen, entweder schlecht, oder teuer importiert.

Was garantiert nicht genetisch bedingt ist, ich aber trotzdem noch nicht ganz durchblickt habe ist das System der Bettbezüge. Hier gibts immer Bettlaken und Kopfkissenbezüge in einem Pack, und den Bezug für die Decke muss man separat kaufen. Meistens gibts die Decke dann gar nicht in dem Muster oder der Farbe der Kopfkissen - was mich als alten Modezaren natürlich erheblich stört! Auch die Bettgrößen sind anders, und Kissen sind nur halb so groß wie daheim.

Nach dem Einkauf in der Foodhall gab es dann auch ein McDonalds. Ja, Globalisierung ist nicht zu verkennen. Wie hat Thomas Friedman es nochmal formuliert? "The World is Flat". Auch wenn das etwas platt ausgedrückt ist, finde ich es doch zumindest bezüglich des Konsumverhaltens relativ treffend. Internationale Marken sind überall vertreten, und seit Coca Cola es in den 60er Jahren vorgemacht hat, folgen viele andere. Die Frage ist, ist es weil die Produkte gut sind, oder ist es weil sie billig sind? Oder vielleicht beides? Oder ist es nur eine Modeerscheinung? Was auch immer der Grund sein mag, zunehmende Globalisierung ist bei vielen Beispielen nur schwer zu widerlegen. Wer sich für Globalisierung und den weltweiten Markt interessiert, der kann neben Friedman auch mal einen Artikel von Theodore Levitt lesen. Beide beschreiben, zwar ziemlich krass, aber deutlich den Prozess und die Folgen der Globalisierung.

Geht man hier allerdings auswärts essen, so merkt man ziemlich schnell, dass man in Asien ist. Nicht nur am Essen selber, auch an den Sachen drumherum. Aber das ist Inhalt für einen anderen Post.

Sonntag, 7. Juli 2013

Der Geburtstag

Am Freitag war Geburtstag, 40 Jahre ITRI! Da gabs halt dann massig Stände mit Essen, dann noch ein paar mit Essen, und last but not least, Essensstände! Ja, in China ist Essen Spaß, und Spaß ist Essen. Bei den Arbeitszeiten hat man als Chinese für Spaß eh nicht soviel Zeit, von daher doch ganz klug das so zu kombinieren! Abgesehen von Spaß, ähh, Essen, gabs dann auch noch ein paar Tänzer, und - kostenlose Massagen! Ich wollte eigentlich vorbeigehen weil mir das irgendwie bizarr vorkam, so 30 Leute im Sitzen, während die eine Hälfe eine Rücken-/Nackenmassage bekommt, und die andere Hälfte halt massiert. Ein netter älterer Herr hat es mir aber aufgrund seiner überschwänglichen Freundlichkeit unmöglich gemacht, mich an dem Pulk aus Massierern und Massiertwerdern vorbeizustehlen - und ich muss sagen, ich habs nicht bereut. So eine kostelose Nackenmassage nach dem Mittagessen könnte man in Deutschland ruhig auchmal einführen!

ITRI Campus nach Mittag, zwischen 12 und 1 wars einfach zu voll um da rumzulaufen)

Vor 30 Minuten war hier noch ein Andrang, dass man gar nichtmehr durchkam

Kleidungsmäßig gar nicht so wit weg von Europa

Serviceparadies China - eine kostenlose Rücken- und Nackenmassage nach dem Mittagesen

Samstag, 6. Juli 2013

Das Land, die Leute


Vom Entwicklungsstand her ist Taiwan echt fortgeschritten, so zwischen China und Japan, aber eigentlich schwer zu beschreiben - also ich sag mal, wenn China Deutschland wäre, dann wäre Taiwan Bayern. Würde gerne sein eigenes Ding machen, hat die gerinste Arbeitslosigkeit, daher verhältnismäßig relativ viel Wohlstand, und man fährt gerne deutsche Autos (wobei, das trifft auf alle Länder zu in denen ich bis jetzt war). Na gut, Weisswurst und gutes Bier gibts hier nicht (außer Pilsener Urquell im Supermarkt), auch kein Fußball, aber dafür Berge, fast bis zu 4000m! Und eine eigene Sprache! Aber ich glaube, da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Um den Vergleich zu Bayern wirklich kritikfest zu machen, müsste ich noch weitere Nachforschungen anstellen. Sowohl hier als auch in Bayern.

Die Leute hier sagen dass Taiwan mit zu den sichersten Ländern der Welt gehört. Diese Tatsache wurde schon in Hongkong mehr oder weniger bestätigt: es gibt da eine Handyladestation, die einfach nur ein Regal mit mehreren Fächern ist, in denen die entsprechenden Lade-Adapter für verschiedene Smartphones liegen. Da legen die Leute dann ihr Smartphone rein und gehen derweil essen oder sonstwas erledigen. Es heisst, das Smartphone ei immernoch da wenn man wiederkommt. Hab ich aber nicht ausprobiert.
Hier in Taiwan lässt man den Rollerhelm gerne auf dem Fahrzeug. Klaut eh keiner. Oder Schlüssel im Roller stecken. Passiert auch nix. In der Mall gestern hab ich sogar eine Frau gesehen, die in drei verschiedene Geschäfte gegangen ist und ihre Einkäufe im Essbereich der Restaurants in der Mitte gesammelt hat. Der Autoschlüssel lag für mind. 20min unbeaufsichtigt da rum. Naja, hab ich jetzt ein neues Auto.

Ist natürlich Quatsch, bei soviel Freundlichkeit (außer die Busfahrer, wobei die sogar manchmal noch nach 100 Metern nach der Haltestelle anhalten und einen reinlassen) und Vertrauen kann man einfach keinem was Übles wollen! (ich ja sowieso nicht!)

Was gibts sonst noch? Also Wetter ist wie gesagt wie im Tropenhaus, ohne Klimaanlage wäre es auch ech hart. Auf dem 10 minütigen Weg zum Bus wird die Jeans einmal komplett durchgeschwitzt, aber die anderen Praktikanten meinen, dass man sich nach ein paar Tagen dran gewöhnt. Merk ich aber noch nix von, sobald ich vor die Türe gehe schwitz ich sofort wie ein Schwein. Auch Abends bleibts einfach fies warm, nie unter 30°C. Hell wirds ca. um halb sechs und Dunkel so gegen halb 7, ganz angenehm also.
Letztens sind wir in einen Platzregen gekommen, danach war ich bis auf die Shorts durchnässt... eigentlich toll zwecks Abkühlung, da ich mir aber eine Taiwanesische SIM-Karte holen wollte, gings erstmal in schön in den Gefrierschrank (=Handyladen). Hier ist es draußen über 35°C, drinnen dann meist so um die (gefühlte) 10°C... besonders schlimm ist das im Zug, da ists einfach ultra kalt. Ich weiss nicht wie die Leute diese extremen, kurzfristigen Temperaturwechseln verkraften. Und extrem langsam ist der "Zug" auchnoch. Sieht aus wie einer, ist aber eher ne Bimmelbahn. Jede Metro hängt den dreimal ab. Schneller als 40kmh fährt der nicht :(
Naja, zurück zur SIM-Karte. Mit nassen Klamotten ist auch der Handyshop wie ein Eisfach. Ich hab erstmal vor der Tür gewartet bis der Verkäufer alles geregelt hatte. Dann wieder rein, Pass vorzeigen. Ja, komischerweise braucht man in Taiwan beim Kauf einer SIM-Karte seinen Pass, Passnummer und Passkopie(!!!) gehen dann in den PC, damit man keine bösen fiesen Terroranrufe macht, oder so. Der nette Herr vom Handyshop schaut dann halt auf meinen Pass, und fragt erstmal:

"Whats the name of the country?"
"Germany"
"Can you wirte it down?"
-aufgeschrieben
"Hm, hen hao, is that in America?"
"Err, no, its Germany, its my country, its not in America."
"What is this Frankfurt?"
"The city where I got my Passport, a city in Germany"
- seine Assistentin googelt Germany, und in einem Wust aus Chinesischen Zeichen erscheint eine Deutsche Flagge auf dem Display
"Yes, this is Germany", sag ich und freue mich einen Beweis zu haben dass mein Pass echt ist. Gerade nochmal gut gegangen! Danach habe ich dann auch die SIM-Karte bekommen :)

Hier ein paar Fotos von der Gegend um mein Wohnhaus:


Bushaltestelle (musste lange suchen, da ich von der anderen Seite kam, und da ein "kleiner" Strommast im Weg steht...)

Die Hauptstraße nahe meiner Wohnung
An der "whereisgermany?" story sieht man, Taiwan ist ein Land der Kontraste. Die kleinen Schulkinder können fast alle Englisch, und ein paar grüßen auch oft direkt wenn sie einen Fremden sehen (Hello, byebye); die alten Leute hingegen können gar kein oder nur sehr wenig Englisch. Am Institut können alle ganz gutes Englisch, außer Putz- und Kantinenkräfte. Manche kennen sich geografisch gut aus, manche eben nicht. Naja, so ist das eben. Im Allgemeinen ist das Englisch durchwachsen, aber ich kann mich echt nicht beschweren, man kommt überall weiter. Und wenn nicht, wird man solange von Mitarbeiter zu Mitarbeiter geschoben, bis man beim letzten landet, der dann eventuell Englisch kann. Zumindest ein Fingerzeig in Kombination mit dem Wort "this" (oder chin.: zhe gue [tßzegge]) verstehen alle :)

Vorhin noch eine Familile auf einem Roller gesehen. Genau, ein Roller, eine Familie. Zwei Kinder standen zwischen Lenker und Papa, dahinter saß das dritte, dahinter die Mama. Mit viel Übung ist das bestimmt super sicher!

Apropos sicher, der Verkehr ist relativ wuselig. Nicht so schlimm wie im tiefsten China, wie man es von manchen youtube Videos kennt, aber da 80% der Fahrzeuge Roller sind, gehts halt kreuz und quer. Blinker wird eh selten gebraucht, im Prinzip schaut einfach jeder auf jeden, und dann passt das schon irgendwie. Unfälle habe ich noch keine gesehen. Wobei eigentlich ein Wunder. Ich hab unseren taiwanesischen Mitpraktikanten Michael mal gefragt, wie lange man denn für den Rollerführerschein braucht. Bis heute habe ich seine Antwort entschieden verdängt, mein Unterbewusstsein meldet aber einen Wert von 20-30 Minuten. Er fands dann irgendwie komisch dass wir in Deutschland 20-30 Stunden für unseren Führerschein brauchen...

Wer sich jetzt fragt, Michael, hä, taiwanesisch? Jep. Ich weiss nicht ob ichs schon irgendwo erwähnt habe, aber alle Englisch sprechenden Chinesen haben einen englischen Namen, den sie seit der Grundschule haben. Und dieser Name wird dann auch in der Businesswelt ständig gebraucht, selbst in Emailadressen oder auf Visitenkarten steht er drauf, da die chinesischen Namen für nicht-Chinesen wohl zu schwer zu merken sind. Ein mehr oder weniger komischer Nebeneffekt ist, dass halt viele Chinesen deswegen Jacky heissen (wegen Jacky Chan), besondern die mit Nachnamen Chan :D
Auch Charlie, Wendy oder Sandy sind hier gern gesehen.
Ich finds ja irgenwie komisch, wenn ich überlegen würde, ich hieße heute noch Marvin (danke, Frau Rohletter!)...

So, was gibts sonst noch? Achja, die Pissoirs sind zu niedrig! Kein Ahnung wieso, aber meist sind die entweder ganz auf dem Boden oder in einer Höhe bis zu maximal 40cm. Stört mich irgendwie. Och, ich merke gerade, meine Kreativität neigt sich dem Ende zu, was nach vier Stunden Einkaufen in China aber durchaus normal ist! Der Post ist eh schon wieder viel zu lang geworden! Es folgen: ein Post über Essen, einer übers Einkaufen, und dann, mal weiterschauen...

Donnerstag, 4. Juli 2013

Die ersten Tage

So, nach all dem Drumherum mach ich jetzt auch mal einen Post über den Ablauf der letzten Tage. Aber man sieht halt irgendwie alle 5 Minuten was unbekannten/komisches/neues dass man direkt erzählen möchte. Ich hab leider nicht immer die Kamera griffbereit, und meistens vergisst man bei der Fülle der Eindrücke einfach so manches. Ich werde wohl auf kürzere aber mehr Posts umstellen - oder so...
Also Montag Mogen gings direkt um halb 9 zur Arbeit, in Taiwan sind normale Arbeitszeiten so von 9 bis 7, also länger als bei uns. Der durchschnittliche Taiwanese hat ca. 9 Tage Urlaub pro Jahr, und das bei einem 10h Arbeitstag...
Jetlack hab ich nicht sooo stark gemerkt, halt viel Cola getrunken und dann gings eigentlich. Bin dann Montag Abend direkt in die lokale Kletterhalle gegangen. Der Weg durchs nächtliche (um 6 wirds schon Dunkel) Hsinchu ist einfach total atmosphärisch, in manchen Straßen kommt man sich vor wie im tiefsten China. Aber alles total belebt und bunt, und voller Roller. Danach noch schön bei McDonalds gewesen und dann aber auch nach Hause ins Bett, weil ich von Sonntag auf Montag ja nur irgendwie 5 Stunden geschlafen hatte. Naja, bin dann aber irgendwie schon um 2 Uhr Nachts wieder aufgewacht und erst um 4 wieder eingeschlafen, dementsprechend musste mir wieder ein wenig Cola über den Tag helfen. Abends dann mit allen Praktikanten Abend gegessen und noch ein wenig gequatscht. Und wieder nur so 5 Stunden geschlafen. Gestern haben wir uns auf ein paar Drinks getroffen und waren spontan noch im Club bis drei oder so :)
War relativ leer, keine Ahnung um die 20 Leute, und relativ teuer mit 15 Euro fuer all you can drink. Also wieder nur ein paar Stunden Schlaf. Den werde ich jetzt nachholen! Und morgen finde ich dann wahrscheinlich Zeit endlich meinen Kleiderschrank einzuräumen. Immerhin hab ich jetzt passende Bettwäsche. Es folgt ein Post über Land und Leute in den nächsten Tagen.

Die Wohnung

Ja, also ich muss sagen, die Wohnung ist echt top. Die ganzen Hochhäuser hier sind alle topmodern, und haben alle eine Lobby die 24 Stunden besetzt ist, meist mit einer echt schönen Eingangshalle. Dazu kommen dann noch Annehmlichkeiten wie Pool, Basketballplatz (nach Baseball die zweitbeliebteste Sportart in Taiwan) oder Tiefgarage mit drei Level. Das Haus wo die Wohnung von Robin und mir ist (am Sonntag kommt Ramon) ist in einem Haus mit 21 Stöcken. Hier mal ein paar Fotos:
Mein Haus, hier links im Bild

Mein Hinterhof

Mein Pool

Immernoch mein Pool

Meine Eingangshalle

Meine Eingangshalle vom Vordereingang

Mein Haupteingang

Und so sieht dann die Wohnung aus:

Wohnzimmer

Küche / Wohnzimmer

Mein Bad

Mein Zimer (noch etwas kahl)

Blick vom Balkon

Auch Blick vom Balkon
Auch die anderen Praktikanten habe echt schöne Wohnungen, hier ist z.B. ein Foto von einem der Innenhöfe bei Nacht:






Also schöne Gebäude bauen können die Taiwanesen!

Achso, bevor ichs vergesse, ich hab noch unseren neusten Mitbewohner vergessen. Mit dem kann man echt gut reden! Also ich zumindest, glaub ich...




Mittwoch, 3. Juli 2013

Der Job

Also für alle die es noch nicht so genau wissen, ich arbeite für Evonik Industries im Advanced Project House "Light & Electronics", dass sich mit der anwendungsorientierten Forschung besagter Industrie beschäftigen und Evoniks Präsenz in Asien festigen soll. Wer es geauer wissen möchte, hier die Pressemittweilung von Evonik:

http://corporate.evonik.com/de/presse/suche/pages/news-details.aspx?newsid=18898

Das APH ist am ITRI integriert, ein Forschungszentrum in Hsinchu (http://www.itri.org.tw/eng/). Fuer Evonik arbeiten hier ungefaehr 30 Leute an neusten Entwicklungen fuer die einzelnen Business Units. Die sechs BUs gliedern sich dabei wie folgt:

Consumer, Health & Nutrition:
- Consumer Specialties
- Health & Nutrition

Resource Efficiency:
- Inorganic Materials
- Coating & Additives

Specialty Chemicals:
- Performance Polymers
- Advanced Intermediates

Der Anteil an Praktikanten ist recht hoch, in einem Monat werden wir mit ca. 7 Leuten hier sein. Der Mix ist recht bunt; neben Deutschen kommen die Praktikanten auch aus Spanien, Frankreich, Schweden und China. Auch sind nicht alle Ingenieure doer Chemiker, auch VWLer und BWLer findet man hier vereinzelt. Neben den deutschen festangestellten Kollegen kommen auch viele aus China, sodass ich meine Chinesischkenntniss taeglich verbessern kann.

Hier mal ein paar Fotos vom ITRI und dem Flur von Evonik:






Die Bueros und das Labor sind topmodern und sehr schick ausgestattet. Mein Schreibtisch ist richtig gross und hat neben einem echt guten Stuhl einen angenehm grossen 24zoll Monitor (meine Ecke im Buero ist fast groesser als mein altes Zimmer in Aachen).

Die Fahrt dauert mit dem Bus ca. 10, mit dem Roller, der hier das gaengigste Verkehrsmittel bei weitem ist, ca. 7 Minuten. Und soo chaotisch ist der Verkehr nun auch wieder nicht. Man muss halt nur schauen, wo der andere hinfaehrt. Also auf die Strasse anstatt auf die Schilder. Dann gehts!

Das Essen ist eigentlich auch ganz gut, vor allem aber guenstig. Man muss sich halt etwas daran gewoehnen dreimal am Tag warm zu essen, und halt chinesisch. Wobei warm ein gutes Thema ist. Ich habe noch keinen Laden, kein Restaurant, keine Wohnung, kein Buero, kein Labor, keinen Bus gesehen der/die/das nicht klimatisiert ist. Bei permanent (auch nachts) ueber 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit wie im Tropenhaus ist das eigentlich auch ein Muss. Wenn die Sonne rauskommt (was hier keine Seltenheit ist), dann ist es noch schlimmer als im Tropenhaus, da man einfach nur dahinsiecht sobald man laenger als eine Minute draussen ist. Die Luft ist quasi zum schneiden dick.

Naja, aber zurueck zum Essen. Morgens gibts hier in der Kantine eigentlich nur Burger oder irgendwelche Teigtaschen, natuerlich warm, und da ist dann halt Rind, Schwein oder Huehnchen drauf oder Ei mit Schinken oder so. Manchmal tuts auch das Sandwich aus dem Supermarkt. Aber fuer 0,5 bis 1 Euro pro Burger kann man das ruhig mal machen. Generell schmeckt der Teig hier etwas süßlicher als in Europa.

  
Frühstück!


Mittags ist die Auswahl echt gross, und die Gerichte kann man sich sogar vorher anschauen. Die grundlegenden Nahrungsmittel hab ich auch schon fast in mein Vokabular aufgenommen (Huehnerfleisch= ji rou [dschii rou!] oder Ei= ji dan [dschii dann] oder Reis=mifan [miifann]). Ganz wichtig: wo bu yao la (=ich möchte nicht scharf [woa bu! jao la!] oder generell bu yao -> fuer "möchte nicht". Generell hat man zehn der veschiedensten Gerichte zur Auswahl, natuerlich alle irgendwie chinesisch, oder man nimmt einfach zehn gefuellte Teigtaschen (= engl.: dumpling oder chin.: jiazo [dschiaosuoe, schwer mit unseren buchstaben zu beschreiben]) oder fuenf Teigtaschen mit Nudeln. Fuer 40 bis 60 New Taiwan Dollar (NTD), also umgerechnet 1 bis 1,50 Euro, kann man sich da auch nicht wirklich beschweren. Schmeckt zwar nicht wie beim Chinesen zuhause, ist aber auf jeden Fall essbar, bzw. schmeckt sogar ganz gut in den meisten Fällen. Bis jetzt hat mein Magen noch alles ganz gut vertragen.

Essenangebot zum anschauen 1
Essensangebot zum anschauen 2

Schweinefleisch, Reis, Broccoli, Algen, Ei mit Suppe - fuer ein Euro

Irgendwas anderes, auch ein Euro

Schwein, Nudeln, Broccoli, Suppe
Schwein, Nudeln, Sojasprossensalat, Dumplingsuppe (sehr glitschig, schwer zu essen mit Stäbchen)
Schlange an der Theke fuer Gericht 9 und 10



Uebersicht ueber die Kantine

Kaum nicht-Asiaten zu sehen



Man arbeitet so von 8 bis 5, und danach gehts meistens zum Sport. Das ITRI selber hat Fitnessstudio, Schwimmhalle, Basketball-, Fussball-, Tennis- und Badmintonplaetze. Am Montag war ich direkt in der lokalen Kletterhalle, die mit dem Roller in gut 15min zu erreichen ist. Gut, die Routen waren nicht so dolle, aber dafuer nehmen die es mit der Sicherheit extrem genau (genauer als in Deutschland um genau zu sein) und die Boulderingsektion der Halle war schon gut. Man schwitzt zwar wie ein Schwein, dafuer kostet aber das Magnesiumcarbonat fast nix, sprich man nimmt halt ein bisschen mehr davon und das passt. Fuer umgerechnet 100 Euro fuer ein halb-Jahresabo kann man das ruhig machen. Fotos folgen.

Montag, 1. Juli 2013

Der Flug

Wie heisst es doch so schön? Der Weg ist das Ziel. In meinem Fall könnte man sagen, es war ein ziemlich langes. Dreißigeinhalb Stunden um genau zu sein.
Es geht immer besser. Bezüglich meines Weges nach Taiwan könnte man behaupten, zwölf Stunden seien weniger als dreißigeinhalb. Und wie heisst es doch so schön? Weniger ist mehr. Was im Falle von Stunden und Minuten durchaus diskutabel erscheint. Wer jetzt verwirrt ist mit all dem besser, weniger und mehr, der liest sich einfach die folgenden paar Zeilen durch und macht sich sein eigenes Bild. Oder schaut auf meine Bilder. Oder beides. Ich hör auch mit den blöden Sprichwörtern auf.

Also, es ging los am Samstag um zwölf Uhr Mittags im schönen Düsseldorf. Am Abend vorher noch mit reizenden Damen und altbekannten Herren das eine oder - bzw. und - andere Bierchen genossen, und schon stehe ich am - mittlerweile auch altbekannten - Düsseldorfer Flughafen.

Als braver Deutscher steht man natürlich auf der Matte, sobald der Check-In öffnet. Halb eins also. Dass der Flug um halb vier geht, ist egal, Steckdosen, gemütliche Sessel und die Welt des modernen Entertainments versüßen einem so manche Wartezeit. Wer, so wie ich, Emirates bucht, der fliegt fast immer über Dubai. So auch in meinem Fall. Also erst einmal sechs Stunden nach Dubai.

Ich hatte ja schon viel von besagter Airline gehört, dennoch war ich vom Service und Angebot positiv überrascht. Selbst in der Economy Class hat man einfach alles.
Zum einen ist da das komplette Entertainment System das in Form eines Touchscreens und Gamecontrollers in den Sitz des Vordermannes oder der Vorderfrau eingelassen ist. Nicht nur alle möglichen Informationen zum Flug, wie Höhe, Geschwindigkeit, Temperatur, Karte, Außenbordkameras lassen sich jederzeit life abrufen - auch Duty Free, Routenverzeichnis und alles von man schon immer über die Airline wissen wollte ist zu finden.
Also ob das nicht schon genug Beschäftigung wäre, kann man sein Laptop oder Handy anschließen und aufladen, auch SMS oder Emails versenden, Satellitentelefonie per Kreditkarte für die ganz dringenden Fälle erledigen, oder Daten von seinem mobilen Gerät per USB abrufen.
Braucht man aber gar nicht. Neben gefühlten einhunderfünfunddreißig aktuellen Filmen in allen möglichen Sprachen gibt es massig Serien aller Art, Radio, Nachrichtensendungen, Musik und CDs. Einfach alles. Hinzu kommt noch ein schier unendliches Angebot an Videospielen, die man sogar life gegen seinen Sitznachbarn oder jeden anderen Gast spielen kann.
Nach dem Brechen aller möglichen Tetrisrekorde an Bord, drei Filmen und ein paar Folgen The Big Bang Theory sowie mehreren Gin Tonic war ich dann auch schon in Dubai.

Neben all dem Zeug zum Zeitvertreib ganz den Rest vergessen. Zur Begrüßung bekommt man erstmal ein heißes, in Zitronenwasser getränktes Frottee Tuch, mit dem man sich erstmal nach Belieben sauber macht. Dann gibts noch eine Decke und ein Kissen zum schlafen, und Sticker mit denen man sagen kann ob man entweder gar nicht oder nur zum shoppen oder essen geweckt werden möchte. Wenns dunkel wird hat man sogar einen kleinen Sternenhimmel im Flugzeug.



Bei dem Sternenhimmel braucht man gar nicht mehr nach draußen schauen!

Erste Klasse





Dubai als Flughafen ansich war bis auf spektakuläre Preise für Essen (nichts unter 6€) oder Sonnencreme (20€) oder sonstwas recht unspektakulär:

 Flughafen Dubai


Nach drei Stunden warten ging es dann im A380 weiter über Bangkok nach Hongkong, was insgesamt acht oder neun Stunden gedauert hat, da man in Bangkok im Flieger wartet. Aus Dubai gibts leider keine schönen Fotos, da alles Stockfinster war. Komisch war nur, dass man nach dem Aussteigen in eine Sicherheitskontrolle musste - anscheinend vertrauen die keinem anderen Flughafen :)

Anflug auf Bangkok (eine Stadt so groß, dass man selbst aus dem Flugzeug nicht sieht wo sie ended)

Anflug auf Hongkong

Landung in Hongkong - life per Kamera

Flughafen Hongkong (soweit das Auge reicht)

 In Hongkong war der Service echt top. Am Schalter kamen direkt drei Chinesen auf mich zu und halfen mir beim einchecken, da ich irgendwie eine komische booking number hatte die erst nicht funktionieren wollte. Im Duty Free hab ich mich dann geärgert dass ich in Düsseldorf noch gegen teure Gebühren Euro in Hongkongdollar und Taiwandollar getauscht habe - erstens nehmen die überall gerne Euro (in Dubai sowie in Hongkong) und zweitens gibts da auch Geldautomaten...
Naja, nach drei Stunden warten ging es dann mit EVA Airlines nach Taipei. Da habe ich dann direkt gemerkt, dass man in China gerne knuddelige und rosa Dinge mag. Willkommen zu Hello Kitty Airlines (die Fotos sind kein Fake! leider. Schlimmste neunzig Minuten meines Lebens. Naja, fast.)




Naja, auch den vierten Flug des Tages bzw. zweiten Tages überstanden, war ich dann endlich in Taipei. Nachdem ich dann nach vierzig Minuten endlich durch die Schlange am Immigrationsschalter war (für elf Uhr Abends Ortszeit war die echt unverschämt lang), dann nochmal fünfzig Minuten Taxi nach Hsinchu.
Der Fahrer hatte natürlich keine Ahnung wo genau das Gebäude war, und ich konnte meinen Mitbewohner nicht anrufen, weil mir eine nette chinesische Stimme am anderen Ende der Leitung sagte, dass ich von meinem Handy (mit über 20€ Guthaben) nicht anrufen darf. Naja, irgendwann hat er mich dann angerufen und ich habe zu meinem Appartement gefunden. Nach vier mal einer Stunde Schlaf in über dreißig Stunden war es dann auch Zeit fürs Bett. Da war es mir auch egal dass ich erfahren habe dass man von Frankfurt direkt nach Taipei fliegen kann, und zwar in zwölf Stunden...

Weitere Beiträge folgen diese Woche, wenn ich Zeit finde...